Totaler analytischer Fehler
Der totale analytische Fehler (Total Analytical Error, TAE) fasst den systematischen und den zufälligen Fehler eines Messverfahrens in einem einzigen Intervall zusammen und liefert so ein einziges Maß für dessen Gesamtleistung. In einer Methodenvergleichsstudie wird der TAE mit einer vorab festgelegten Grenze für den zulässigen Gesamtfehler (Allowable Total Error, ATE) verglichen, um zu entscheiden, ob das Kandidatenverfahren für den klinischen Routineeinsatz akzeptabel ist.
Das CLSI-Dokument EP21, 3. Auflage (2025), ist eine deutlich verbesserte Fassung der Leitlinie zum totalen analytischen Fehler und korrigiert einige Eigenheiten der früheren Auflagen.
Nach der neuen Leitlinie wird der TAE nichtparametrisch aus den beobachteten Differenzen zwischen dem Kandidaten- und dem Vergleichsmessverfahren berechnet. Da diese Differenzen nicht unbedingt normalverteilt sind, wird der TAE durch einen zentralen Schätzwert und zwei Perzentilgrenzen definiert.
- In der Regel ist der zentrale Schätzwert der Median.
- Die untere und die obere Grenze sind das 2,5. und das 97,5. Perzentil.
- Der TAE kann auch in Prozent der Messgrößenwerte ausgedrückt werden; dabei wird das Verhältnis (nicht die Differenz) zwischen den Messungen des Kandidaten- und des Vergleichsverfahrens berechnet.
In MedCalc lassen sich diese Werte einfach mit dem Verfahren Bland-Altman-Diagramm ermitteln.
Beachten Sie, dass die im Dokument CLSI EP21 (2025) verwendete Methode zur Berechnung der Perzentile dieselbe ist, die auch MedCalc verwendet.
Rechenbeispiel
Als Beispiel verwenden wir die Daten aus Tabelle A1 des CLSI-Dokuments.
| A | B | C | D | |
|---|---|---|---|---|
| Candidate | Rep1 | Rep2 | ||
| 1 | 133 | 138,3 | 136,9 | |
| 2 | 128 | 132,1 | 132,7 | |
| 3 | 130 | 133 | 135,2 | |
| 4 | 136,3 | 140,5 | 140 | |
| 5 | 157,6 | 160,6 | 162 | |
| 6 | 137,2 | 143,6 | 137,6 | |
| 7 | 134 | 140 | 134,6 | |
| 8 | 136,3 | 137,6 | 141,3 | |
| 9 | 148,3 | 149,3 | 153,5 | |
| 10 | 147,6 | 150,3 | 150,8 |
- Es gibt 125 Patientenproben.
- Für das Vergleichsmessverfahren liegen 2 Messungen pro Probe vor, Rep1 und Rep2.
- Die Grenze für den zulässigen Gesamtfehler (ATE) beträgt ± 3,5 (mmol/L).
Das Dialogfeld für das Bland-Altman-Diagramm wird wie folgt ausgefüllt:
Ergebnisse
MedCalc zeigt einen Bericht und ein Diagramm an.
Methode A | Candidate |
|---|---|
Methode B | average(rep1,rep2) |
Stichprobengröße | 125 |
|---|
Methodologie: Nichtparametrisch (Bland & Altman, 1999)
Option | Differenzen darstellen |
|---|
Medianwert | -0.2000 |
|---|---|
95 % Konfidenzintervall | -0.5000 bis 0.4500 |
Untere Übereinstimmungsgrenze | -4.0062 |
95 % Konfidenzintervall |
|
Obere Übereinstimmungsgrenze | 3.3000 |
95 % Konfidenzintervall |
|
Der Bericht zeigt eine untere Übereinstimmungsgrenze von -4,0062 und eine obere Übereinstimmungsgrenze von 3,3000. Diese entsprechen den unteren und oberen TAE-Schätzwerten im CLSI-Beispiel (-4,01 bzw. 3,30).
Die Ergebnisse werden im Diagramm veranschaulicht:
Das Diagramm zeigt auch die Grenzen des zulässigen Gesamtfehlers (ATE). Der obere TAE-Schätzwert (3,30) liegt innerhalb der ATE-Grenze (3,5), der untere TAE-Schätzwert (-4,01) überschreitet jedoch die ATE-Grenze (-3,5).
Daraus wird geschlossen, dass das Kandidatenverfahren für den Routineeinsatz nicht akzeptabel ist.
Literatur
- CLSI (2025) Evaluation of Total Analytical Error for Quantitative Medical Laboratory Measurement Procedures. 3rd ed. CLSI guideline EP21. Clinical and Laboratory Standards Institute.